Oktober 2026

Monika arbeitet für den Bereich Industrie der ARBES. In der geschützten Werkstätte schöpft sie am liebsten Papier – und nebenbei auch ganz viel Lebenskraft.

Erst wollte sie gar nichts von einer Anstellung im zweiten Arbeitsmarkt wissen. Heute aber kann sie sich sogar vorstellen, bis über das Pensionsalter hinaus bei der ARBES zu bleiben: Monika hat dank der festen Tagesstruktur wieder Halt im Leben gefunden.

«Die Arbeit hier hat mich verändert», ist sich Monika Gruber (im Bild links) ganz sicher. Das bestätigt auch ihre Schwester Lisi (rechts), die neben der Arbeit eine feste Stütze für die 57-Jährige ist. «Sie ist viel ruhiger geworden, zufriedener mit sich selbst und insgesamt wieder glücklicher.»

Monika hat wieder Boden unter den Füssen
und kann das Leben geniessen.

Warum? Vor allem deshalb, weil sie ihr Leben in die Hand genommen hat: Seit mehreren Jahren arbeitet sie in der geschützten Werkstätte am Standort Rothenbrunnen. Mit rund 230 betreuten Angestellten und über 35 Mitarbeitenden ist die ARBES ein wichtiger Bereich der Psychiatrischen Dienste Graubünden. Hier stellen Menschen mit psychischer Beeinträchtigung hochwertige und kreative Produkte her und bieten Dienstleistungen an.

In einem Teilzeitpensum angestellt, kommt Monika an vier Tagen der Woche selbstständig mit dem öV zu ihrem Arbeitsplatz. «Arbeit ist endlich wieder etwas Schönes für mich. Ich stehe jeden Tag gerne auf, freue mich auf mein Team und fühle mich in der wertschätzenden Atmosphäre sehr wohl.»

Wenn der Kopf nicht mehr kann

Das war nicht immer so. Über 20 Jahre war sie Pflegehilfe, danach als Haushaltshilfe und Allrounderin in verschiedenen Anstellungen tätig. Als zuletzt ein Wechsel in der Chefetage anstand, brach sie ab. Zu gross waren der Druck und die psychische Belastung. Zu klein waren die Energiereserven, die neben der Arbeit noch übrigblieben.

Monika liess sich von der IV-Fachstelle beraten und erhielt die Empfehlung, an einen geschützten Arbeitsplatz zu wechseln. «Das kam für mich erstmal gar nicht infrage», erinnert sie sich an ihre erste Reaktion. Aber schnell wurde klar: Sie hatte einfach eine falsche Vorstellung davon.

Eine Schnupperwoche bei der ARBES
veränderte schliesslich alles.

Sie lernte die verschiedenen Arbeitsbereiche der ARBES kennen – von der Schreinerei über Steinbearbeitung, Gärtnerei und Floristik bis hin zur Textilwerkstatt ist das Angebot sehr vielseitig. Das Montage-Team der Abteilung Industrie passte optimal zu ihren Fähigkeiten und Interessen. Hier lernte sie, Stecker, Kabel und elektronische Einzelteile zu bearbeiten. Feinmotorische Arbeiten fallen ihr schwer, aber kreative Aufgaben erledigt sie gern. Am liebsten schöpft sie kreatives Papier für dekorative Faltkarten. Hierfür weicht sie verschiedenes Papier aus der ARBES-Druckerei in Wasser ein und siebt es sorgfältig wieder ab, um neues Papier herzustellen.

Dann aber kam eine schlechte Nachricht: Mit der Ablehnung ihres IV-Rentengesuchs hätte sie die ARBES kurz nach dem Eintritt wieder verlassen müssen.

Monika entschied kurzerhand, ihren Aufenthalt während mehr als eines Jahres mit Eigenmitteln zu finanzieren. Und sie wurde belohnt. Nach Ablauf der zweijährigen Wartefrist erhielt sie nach erneuter Prüfung schliesslich eine IV-Rente zugesprochen. Ihre Zukunft scheint damit gesichert – denn sie darf und möchte gerne so lange bleiben, wie es ihr gesundheitlich möglich ist.

«Vor allem die feste Tagesstruktur hilft mir, mich im Alltag zurechtzufinden. Sie bringt mich gut durch die Woche», erklärt die offene Frau. Ihre Augen werden gross und ein kräftiges Kopfnicken unterstreicht: Sie ist nicht nur begeistert von ihrer Arbeitsstelle, sondern vor allem dankbar für das Wohlwollen, das sie hier erfährt. Auch Schwester Lisi lächelt: «Das Arbeitsumfeld tut ihr einfach gut und ist genau, was sie braucht.»

Mit Humor geht vieles leichter

Die beiden sind sich einig: Der Humor vieler Fachbetreuerinnen und Fachbetreuer ist Gold wert. Er bringt Leichtigkeit in Situationen, die vielleicht nicht immer leicht zu ertragen sind. Gleichzeitig stellt das Fachpersonal eine persönliche Nähe und das notwendige Vertrauen her, die es ermöglichen, die betreuten Angestellten gut zu begleiten und mit ihnen im Gespräch zu bleiben. «Sie nehmen mich, wie ich bin», kommt Monika zum Schluss. Und das sei ihr das Allerwichtigste.

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