Juni 2026

Flavios Karriereweg zeigt, wie wichtig ein guter Nährboden ist, damit die Saat keimen kann. Seine Ausbildung in der ARBES Gärtnerei stellte wichtige Weichen – heute betreut der Landschaftsgärtner die Grünanlagen eines ganzen Shopping-Areals.

Wenn Flavio durch die Shoppingmeile des Landquart Fashion Outlets läuft, könnte man ihn leicht mit einem Security-Angestellten verwechseln. Der Gang des 2-Meter-Mannes ist zielsicher und aufrecht, aus dem dunklen Polo-Shirt schauen kräftige Arme hervor, bis zu beiden Händen tätowiert. Um die Hüfte trägt er einen breiten Ledergürtel, an dem ein kleiner Beutel, Trinkflasche und diverse Werkzeuge hängen.

Doch als Flavio den Chäppel absetzt, um seinen dunklen Pferdeschwanz zu ordnen,
legt sich ein weiches Lachen über sein Gesicht.

Der Landschaftsgärtner wirkt aufgeschlossen und zugewandt. Er lässt sich auf einer Bank im Schatten der Bäume nieder, schweift mit dem Blick über die umliegenden Blumenbeete und bleibt bei einem filigranen Lauchgewächs mit üppiger Blüte hängen. «Sie sind Reste des Frühlings, ich werde sie in den nächsten Tagen ersetzen.»

Das Farbkonzept für diesen Sommer sei festgelegt auf eine Rot-Weiss-Komposition, damit liessen sich schöne Arrangements bepflanzen. Eine stimmige Kombination aus Zierbepflanzung und wilder Natur gefalle ihm am besten, erklärt der 30-Jährige. Farblich klar definierte Blumengruppen in strukturierter Anordnung wechseln sich dann beispielsweise mit Kohlpflanzen oder Gräsern ab.

Schon nach wenigen Minuten ist klar: Flavio liebt seinen Beruf. Er hat einen Blick für Details, ist gerne kreativ, probiert Neues aus und experimentiert; er ist stolz auf das, was er mit seinen Händen schafft.

Ist dieses Gefühl natürlich gewachsen? «Nein, der Einstieg ins Berufsleben war für mich schon harzig. Ohne die Unterstützung der ARBES wäre ich wohl nicht so weit gekommen.»

Als Jugendlicher hatte er zunächst eine Lehre als Forstwart begonnen, musste diese jedoch abbrechen. Der junge Mann sattelte um und absolvierte eine praktische Ausbildung (PrA) in der ARBES Gärtnerei in Rothenbrunnen. Ein Glückstreffer, wie sich herausstellte: Flavio liess sich von den neuen Aufgaben schnell begeistern. Er war zuverlässig, packte mit an, entwickelte ein gutes Gespür für die Pflanzen und wurde eine wichtige Stütze im Team.

Zielstrebig nach oben

Im zweiten Ausbildungsjahr setzte er sich neue Ziele: Er strebte ein EBA (eidg. Berufsattest) an. Weil der ARBES dazumal die notwendigen Voraussetzungen fehlten, verhalf ihm sein Teamchef zu einer Schnupperlehre in der Lernstatt Känguruh, wo er schliesslich übernommen wurde und sein EBA als Landschaftsgärtner erfolgreich abschliessen konnte. Es folgten einige Jahre im Thurgau, bis er in seine Bündner Heimat zurückkam. Seit 2025 ist er Teil des Unterhalts-Teams im Outlet-Center. Er trägt viel Verantwortung, geniesst aber zugleich seine Freiheiten in der Umsetzung.

Rückblickend ist ihm klar: Er konnte bei der ARBES nicht nur Fachwissen aufbauen,
sondern auch in seiner persönlichen Entwicklung profitieren.

«Bis heute ist mein Teamchef bei der ARBES ein menschliches Vorbild für mich», gibt er unumwunden zu. Die Betreuung sei sehr familiär und wertschätzend gewesen. Er habe sich von Anfang an gut integriert und im perfekten Masse gefördert gefühlt, ohne überfordert zu sein.

Die geschützten Werkstätten der ARBES sind ein Bereich der Psychiatrischen Dienste Graubünden. Sie beschäftigen Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Daneben bieten die ARBES Berufsausbildungen als Floristin/Florist sowie Gärtnerin/Gärtner in der Fachrichtung Pflanzenproduktion. Die Praktische Ausbildung (PrA) setzt eine IV-Verfügung voraus.

Berufliche Wurzeln

In Flavios Augen spiegelt sich das Leuchten der roten Geranien. Er denkt gerne an seine Zeit in Rothenbrunnen zurück… an das Gefühl der ersten eigenen Wohnung, an die Spaziergänge am Rhein, an den schattigen Wald der umliegenden Wanderwege.

Bei der ARBES liegen seine beruflichen Wurzeln. Diese Bindung besteht bis heute.

Wenn die Werkstätten zweimal im Jahr zum Frühlings-Bazar und auf den Herbstmarkt nach Rothenbrunnen einladen, ist Flavio ein treuer Besucher. Mit vielen schönen Erinnerungen schlendert er durch die Reihen der Marktstände. Und staunt immer wieder, was aus einem einzigen Saatkorn heranwachsen kann.

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